Montag, 11. Juni 2007

Einkaufen mit Verantwortung

Niemand von uns will sehniges oder abgelaufenes Fleisch, versteckt genmanipulierte Lebensmittel, Kleidung von unterbezahlten Textilarbeiterinnen, Taschentücher aus Urwaldholz oder Teppiche, die von Achtjährigen geknüpft sind. Niemand von uns will das wirklich, und trotzdem, immer, wenn wir einkaufen, ist dies alles möglich und vieles mehr.
Mit Konsum verbinden sich Missstände als Normalität. "Einkaufen hat seine Unschuld verloren." schreibt Tanja Busse in ihrem neuen Buch "Die Einkaufsrevolution. Konsumenten entdecken ihre Macht"
Markenkleider zu tragen ist eine besondere Facette von Manipulation im Dienste der Gewinnmaximierung. Kinder sind leicht verführbar und das Portemonnaie der Eltern öffnet sich aus Liebe. Gesucht wird das Glück und nicht zuerst das Kleid und wer möchte das seinen Kindern verwehren !?
Es ist wirklich fatal, dass es nicht als unmoralisch angesehen wird ,schon Kinder so stark zu manipulieren. Vor allem leiden solche Kinder darunter, deren Eltern das Konsumspiel nicht bezahlen können. So fühlen sich diese schon als Kind ausgeschlossen, weil sie nicht besitzen, was alle haben. Und genau dieses Grundgefühl von zu kurz gekommen sein oder am Rande stehen, zieht sich dann durch das ganze Leben und bestimmt künftiges Handeln. Wie sonst sollte man die Lust zum Diebstahl selbst bei Kantischülerinnen und Schülern erklären?
Manche sagen: "Ich kaufe nur das, was mir gefällt." Individuell wollen sie sein und übersehen dabei, dass sie in einer Modesaison massenhaft sich selbst begegnen. Ist diese unbewusste "Vermassung" ein Prinzip. Dorothe Sölle hat sinngemäss einmal gesagt. "Man lehrt uns herumzulaufen wie aufgezogene Konsumtierchen - bis zur Erschöpfung, damit wir über Gerechtigkeit erst gar nicht nachdenken können und schon überhaupt nicht über Verantwortung." So sind wir letztlich Kinder wie Erwachsene nicht Menschen sondern Puppen. Schlimm macht das erst der Verdacht, dass alle die den gleichen Anzug wünschen, das gleiche Denken mit einkaufen. Und wer bestimmt eigentlich dessen Inhalte?

Die Tatsache, dass sich andere auf Kosten anderer "glücklich machen", wird wohl nur schwer aus der Welt zu schaffen sein. Jedenfalls so lange nicht, bis sich Menschen im Klaren darüber sind, aus welchem Grund sie existieren. Wenn es uns nicht gelingt, die wirklich wichtigen Dinge in unserem Dasein zu erkennen, wird es vielleicht irgendwann nur noch Glück geben, das man kaufen kann. Heute die Markenkleider und später vielleicht... der massgeschneiderte Tod. Geld mit dem Sterbetourismus verdient man hierzulande jetzt schon.

Liebe Blogger-Gruppe
Ich habe ihre Beiträge mit grossem Interesse gelesen. Gut, dass Sie bis zum Schluss die Kraft hatten, so intensiv dran zu bleiben. Es gäbe noch so Vieles zu bereden...Aber als Lehrpersonen haben Sie noch viel Zeit die Verantwortung für Veränderungen anzunehmen.
Ich verabschiede mich von Ihnen und wünsche Ihnen eine gute Prüfungszeit. Natürlich um später effektive Handlungsräume finden zu können.

Nur das Beste
W.Braun

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