Ich bin mir bewusst, dass ich im Moment sehr unachtsam lebe. Vieles, was mir eigentlich wichtig wäre und auch vieles, was anderen wichtig wäre, geht zurzeit an mir vorbei. So versuchte ich nun, mich bewusster auf alles um mich herum zu achten. Dabei stelle ich fest, dass dies viel anstrengender ist, da so viel mehr Eindrücke auf mich zukommen. Man erlebt Probleme anderer Menschen viel bewusster, man sieht Probleme auf der Strasse, die man sonst nicht beachten würde, man sieht glückliche Menschen, denen man sonst vielleicht ausweichen würde und so weiter.
Heute Morgen hatten wir jedoch in Mensch und Umwelt eine sehr interessante und „heikle“ Diskussion zum Thema Rassismus, die mir zeigte, dass achtsamer leben nicht nur heisst, alles um sich herum achtsamer wahrzunehmen. Unachtsam sein bezieht sich nämlich nicht nur auf das Übersehen von glücklichen oder traurigen Menschen sondern auch auf Aussagen, die auf Anstand und Respekt beruhen. Wer sagt nicht schon mal irgendetwas, ohne zu überlegen, wie das wirklich ankommt? Diese Diskussion und das Nachdenken über Rassismus bewogen mich dazu, in der nächsten Zeit vor allem auf mein Verhalten und auf meine Aussagen gegenüber „Anderem“, „mir Fremdem“ mehr acht zu nehmen. Denn auch wenn ich überzeugt bin, dass ich nie bewusst rassistisch bin, stellten wir heute in einer weiteren Diskussion fest, dass alle mal etwas Unachtsames gesagt haben / gemacht haben werden, dass bei den anderen als rassistisch aufgefasst wurde.
Ich finde, Achtsamkeit hat auch auf unser Thema einen grossen Bezug, da in der Dritten Welt (und auch an vielen anderen Orten, in bestimmten Religionen oder in bestimmten Situationen) die Frauen meiner Meinung nach oft zu wenig achtsam behandelt werden.