Wenn ich ganz spontan darauf antworten soll, was mich für nachhaltiges Handeln motiviert, dann hat dies vor allem einen egoistischen Hintergrund. Ich möchte möglichst lange auf dieser Welt leben, und das unbeschwert – nicht mit einer Gasmaske oder einem Spezialkostüm, das die „Killerstrahlen“ vor meiner Haut abschirmt, ausgestattet. Ich möchte auch mit gutem Gewissen eine Familie gründen können. Meine Nachkommen sollen wiederum ein unbeschwertes Leben geniessen. Sehr gerne halte ich mich in der Natur auf und schätze diese Schönheit, was bestimmt auch mit ein Grund ist.
All diese Gründe fielen mir spontan zuerst ein. Ich bin aber davon überzeugt, dass das Ganze auch oder vor allem mit der anerzogenen Einstellung zu tun hat. Ein Mensch, der in seiner Kindheit nie dazu bewogen wurde, in irgendeiner Weise nachhaltig zu handeln, der wird das sehr wahrscheinlich auch als Erwachsener nicht tun – weil es ihm einfach fremd ist oder weil es ihm zu schwer fällt, seinen bisherigen Lebensstil zu ändern. Ich sehe den Hauptgrund für mein heutiges, in einigen Dingen bewusstes Handeln in der Erziehung durch meine Mutter. Sie hat mir die Einstellung übertragen, dass man sich immer zweimal überlegt, ob etwas wirklich nötig ist (Plastiktasche beim Einkaufen, Auto...). In meiner Kindheit geschahen diese Dinge ganz automatisch – man nahm einfach immer eine Stofftasche zum Einkaufen mit, ging möglichst zu Fuss oder mit dem Fahrrad irgendwo hin und hatte nie Alufolie oder Weichspüler im Haushalt. Ich merke nun, wie ich diese Dinge übernommen habe und mich über Leute aufrege, die sorglos Alufolie oder das Auto benützen.
Jetzt habe ich mich aber ziemlich positiv hingestellt – dabei bin auch ich überhaupt nicht in allem ein Vorbild. Was mich – wie ich leider in letzter Zeit vermehrt feststellte – zu eher nachlässigem Handeln bewegt oder veranlasst, ist die Bequemlichkeit. Hinzu kommt auch ab und zu die Frage: Was nützt es wirklich, wenn ich (als einzige oder zu einer Minderheit gehörend) darauf verzichte? Kommt es darauf wirklich an?
In Bezug auf unser Gruppenblogthema „Frauen“ kann ich nur wieder sagen, dass da in der westlichen Welt mit der Einführung des Frauenstimmrechts und mit der herrschenden Emanzipation der Frauen schon recht viel geschehen ist im Bereich Nachhaltigkeit. Allerdings muss immer noch gehandelt werden – für die Frauen, die unterdrückt werden und den Männern eben nicht gleichgestellt sind. Was mich daran hindert, ist in erster Linie das Wissen um die Möglichkeiten, eine Art Ohnmacht. Ich stelle mir dann auch die Frage: Was kann ich als einzelne, junge Frau ausrichten? Und vor allem: Was bin ich bereit, auszurichten?
1 Kommentar:
Liebe Frau Jürgens
Ich habe Ihren Beitrag mit grossem Interesse gelesen. Was kann ich als junge Frau tun? Das ist die beste Frage. Sicher einmal die guten Verhaltensweisen Ihrer Mutter weiter beherzigen. Aber heute noch mehr. Ich selber habe zwei Töchter zwischen 20 und 30. Das Wichtigste was ich Ihnen mitgeben konnte, war der Wunsch sich zu qualifizieren. In diesem Zusammenhang heisst das, die Vorgänge in dieser Welt nicht den etablierten Männern zu überlassen. Selber eingreifen, selber etwas zu sagen haben, selber informiert sein und in keinem Stadium des Lebens auf Aufbruch zu Neuem verzichten. Ihnen wünsche ich Lebens- und Berufsfelder, wo Sie Innovationen auf den Weg bringen können.
Eine gute Zeit W.Braun
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